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Der Zentralfriedhof in Wien

Hast du schon einmal einen Spaziergang durch einen Ort der Stille unternommen? Hierfür bietet sich der Wiener Zentralfriedhof mit seinen zahlreichen Ehrengräber an. Hier vereinen sich Architektur, Natur, Mensch, Tier und der Tod. Nicht nur dass der Zentralfriedhof mit seinen über 330.000 Gräbern zu den größten Friedhöfen Europas zählt, hier ist es gelungen, dem Friedhof einen Parkcharakter zu schenken. 

Namhafte Personen finden in dieser Anlage ihre letzte Ruhestätte. So findet man Namen wie Johann Strauss Sohn und Vater, Franz Schubert, Johann Nestroy, Paul Hörbiger, Curd Jürgens, Falco, Udo Jürgens, ... auf den Ruhestätten. An die 1000 Ehrengräber und ehrenhalber gewidmete Gräber findet man alleine am Zentralfriedhof. Eines der von Touristen am häufigsten besuchten Grabmäler, jenes von Wolfgang Amadeus Mozart, ist allerdings lediglich ein Denkmal, da sich die sterblichen Überreste Mozarts auf dem Sankt Marxer Friedhof befinden (wo jedoch die genaue Lage von Mozarts Grab nicht bestimmbar ist, da er aufgrund der josephinischen Reformen in einem Schachtgrab beerdigt wurde).

Mit den drei Millionen Bestatteten beherbergt der Zentralfriedhof fast doppelt so viele Wiener wie die ganze Stadt Lebende, und etwa die Hälfte aller Wiener, die je gelebt haben. Der Zentralfriedhof zählt zum östlichen Grüngürtel von Wien. Aufgrund seiner Größe und des zum Teil dichten Baumbestandes beherbergt er eine vielfältige Fauna. Am häufigsten zu beobachten sind die vielen Eichhörnchen, die von den Wienern „Hansi“ genannt werden und vergleichsweise zutraulich sind, da sie von Friedhofsbesuchern oft mit Nüssen gefüttert werden. 

Weniger bekannt sind die größten „tierischen Bewohner“ des Friedhofs, rund 20 Rehe, die vorzugsweise auf dem Areal des alten jüdischen Friedhofs anzutreffen sind, nicht zuletzt wegen der dort um die alten Grabsteine wachsenden immergrünen Pflanzen, die vor allem in den kälteren Jahreszeiten eine verlässliche Futterquelle sind. Darüber hinaus bietet der Zentralfriedhof Lebensraum für Turmfalken, Feldhamster, Dachse, Marder, Frösche und andere Kleintiere.

Der Zentralfriedhof wurde im Laufe seiner Geschichte insgesamt sieben Mal erweitert. Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung galt er als die größte Friedhofsanlage Europas, seine aktuelle Gesamtfläche von knapp 2,5 km² wird nur von dem 4 km² großen Hamburger Friedhof Ohlsdorf übertroffen. Obwohl der Friedhof zwischen dieser stark befahrenen Straße und der Trasse der Flughafenschnellbahn gelegen ist, bleibt allein durch die Weitläufigkeit des Areals der überwiegende Teil der Anlage von Verkehrslärm verschont. Allerdings führt eine in geringer Höhe direkt über den Zentralfriedhof verlaufende Flugroute des südöstlich von Wien gelegenen Flughafens zu Beeinträchtigungen der Friedhofsruhe.

Die Kirche Zum heiligen Karl Borromäus ist in ihrer architektonischen und künstlerischen Gestaltung dem Jugendstil zuordenbar, weist aber auch unter anderem Elemente ägyptischer Baukunst auf. Es existieren gestalterische Parallelen zu der von Otto Wagner entworfenen, 1907 fertiggestellten Kirche am Steinhof. Die Oberkirche befindet sich rund 3 Meter über dem Niveau des Friedhofs und kann über drei breite Freitreppen erreicht werden. An den Zifferblättern der Turmuhren sind zur Stundeneinteilung statt Zahlen Buchstaben angebracht, die – im Uhrzeigersinn von 1 bis 11 gelesen – den lateinischen Satz TEMPUS FUGIT, das soviel heißt wie "Die Zeit flieht", ergeben. An der 12-Uhr-Position befindet sich ein kleines Kreuz.

Heute noch stößt die "schöne Leich" auf das Interesse der Wiener Bevölkerung, so sind Staatsbegräbnisse von Politikern sowie Beerdigungen von Persönlichkeiten aus anderen Schaffensbereichen für viele Menschen Anlass, diesen prominenten Verstorbenen eine letzte Ehre zu erweisen. Wird beispielsweise ein Bundespräsident beigesetzt, so ist die Straße, die vom Hauptportal zur Präsidentengruft führt und zu beiden Seiten von Ehrengräbergruppen flankiert wird, Schauplatz von langen Trauerzügen. Aber auch von Vertretern der zeitgenössischen Popkultur wird mitunter in großem Rahmen Abschied genommen: Im Februar 1998 wohnten der feierlichen Beisetzung von Popstar Falco in einem ehrenhalber gewidmeten Grab tausende Menschen bei.

Links: Wien Info |  Friedhöfe Wien 

Fotos: Jürgen Baumelt

Texte: Jürgen Baumelt | Wikipedia

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