Zu Besuch beim Augarten in Wien

Eigentlich macht mich das sprachlos. Jetzt wohne ich schon so viele Jahre in Wien und habe es nie geschafft, den Augarten im zweiten Wiener Bezirk zu besuchen. Ehrlich gesagt, ich wusste gar nicht dass es diesen Garten gibt. Bis meine Freunde mich darauf aufmerksam gemacht haben. Ich sah zwar immer ein grünes Fleckerl auf den Stadtplänen und auf Karten bei Google-Maps im zweiten Bezirk. Welch Paradies sich dahinter versteckt, konnte ich erst bei meinem Ausflug entdecken. Und ich war begeistert!

Bei meinem Ausflug durch den Garten hat alles mitgespielt. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, die Bäume waren bedeckt in einem golden/braunen Kleid, die letzten Blumen blühten in vollster Pracht, es war in Traumtag. Die Gartenanlage im französischen Stil bietet neben einem gepflegten Parterregarten mit aufwändigen Blumenlandschaften auch ein weitläufiges, von schattigen Alleen aus Kastanien, Rüstern, Linden, Eschen und Ahornbäumen durchzogenes Gebiet, das für die Bevölkerung und für touristische Besucher Raum zur Erholung, aber auch zur sportlichen Betätigung bietet. Ich habe unzählig viele Jogger und Spaziergänger beobachten können. 

Der Augarten bietet als Freizeitpark jede Menge Spiel- und Sportmöglichkeiten für Klein und Groß. Mittlerweile gibt es fünf Kinderspielplätze für alle Altersgruppen, ein Kinderfreibad, das von Juni bis September für Abkühlung sorgt, Ballspielplätze für Fußball, Beachvolleyball und Basketball zum Austoben nach Lust und Laune und die vier Bundesspielplätze für Schulen. Der Augarten ist auch, wie schon erwähnt, ein Paradies für Jogger & Walker, die abseits von Straßenlärm und schlechter Luft hier ihre Runden drehen können. Regelmäßig treffen sich auch die Pétanque/Boule-SpielerInnen im Augarten. Oder man kann einfach auf der Wiese liegen, entspannen und mit der Seele baumeln. Für das leibliche Wohl ist übrigens auch gesorgt – es gibt einige Gastronomie-Betriebe im Augarten.

Was befindet sich alles in dieser Gartenanlage? Seit 1948 sind die Wiener Sängerknaben im Palais Augarten angesiedelt. Neben einem Gymnasium mit Internat ausschließlich für die Sängerknaben sind im Palais noch ein Kindergarten und eine private Volksschule mit Öffentlichkeitsrecht untergebracht, die auch musikbegeisterten Kindern beider Geschlechter offenstehen. Im Dezember 2012 wurde die Konzerthalle MuTh für die Sängerknaben im Augarten fertiggestellt. Die Porzellanmanufaktur Augarten hat ihren Firmensitz im ehemaligen Gartensaal des Schlosses Augarten. Hier wird bis heute in Handarbeit hochwertiges Porzellan angefertigt.

Das Atelier des Künstlers Gustinus Ambrosi nahe dem Eingang Lampigasse / Scherzergasse ist seit 1955 im Bereich des Englischen Gartens etabliert. Neben einem Skulpturengarten findet sich hier auch das Gustinus- Ambrosi-Museum. Im ehemaligen Wohnhaus und Atelier des Künstlers stellt seit 2012 die von Francesca Habsburg-Lothringen geleitete Stiftung Thyssen Bornemisza Art Contemporary aus und nennt die Einrichtung TBA21 - Augarten. Das Filmarchiv Austria ist seit 1997 in den Wirtschaftsgebäuden des Palais Augarten an der Oberen Augartenstraße zu Hause.

Ein Flaktürme-Paar, die Flaktürme Augarten, sind unverkennbare Bestandteile der Silhouette des Parks. Die Wiener Flaktürme sind sechs große aus Stahlbeton errichtete Abwehr- und Schutzbauten in Wien, die in den Jahren 1942 bis 1945 als riesige Luftschutzanlagen mit aufmontierten Flugabwehrgeschützen und Feuerleitanlagen erbaut wurden. Solche oberirdischen Schutzräume nannte und nennt man auch Hochbunker. Das Flakturmpaar im Wiener Augarten trägt den Codenamen „Peter“. Gefechts- und Feuerleitturm wurden in der Zeit von Juli 1944 bis Jänner 1945 nach Bauart III errichtet. Der Gefechtsturm ist mit seinen 13 Stockwerken um zwei Meter höher als der zwölfstöckige Leitturm, um deren Plattformen auf dasselbe Niveau zu bringen. Es handelt sich um die zuletzt errichteten, und dementsprechend am weitesten entwickelten Flaktürme des Dritten Reiches. 

Besonders markant sind die Stahlbeton-Kragträger an der Außenseite für eine einfachere Wartung bzw. Reparatur der Plattformen. Der Innenraum des Gefechtsturmes ist stark beschädigt. Grund dafür ist, dass es am 21. November 1946 zu einer schweren Explosion der im oberen Stockwerk gelagerten Munition kam, ausgelöst durch spielende Kinder, die über den noch bestehenden Kran in den Turm gelangt waren und dort ein Feuer entzündet hatten. Sie konnten den Flakturm aber unverletzt verlassen. Im Frühjahr 2006 war der Turm über Monate hinweg großräumig abgesperrt, weil durch eine Schuttverlagerung im Inneren als Spätfolge der Explosion eine Außenwand nach außen gedrückt wurde. Dadurch bestand die Gefahr, dass eine Plattform einstürzen könnte.

Im nördlichen Teil des Augartens betreibt die Wiener Stadtverwaltung unweit der Wasnergasse ein Familienfreibad. Die kleine Muttergotteskirche im Augarten befindet sich Ecke Wasnergasse / Gaußplatz / Obere Augartenstraße. Zudem befinden sich zahlreiche Kinderspielplätze und gärtnerisch genutzte Flächen, die den Bundesgärten zur Heranzucht der für die Gartengestaltung benötigten Pflanzen dienen, in den Anlagen des Augartens.

Wie erreichst du den Augarten? Am besten erreichst du den Augarten mit den Wiener Linien vom Schwedenplatz kommend mit der Straßenbahnlinie 2 bis zur Station Wien Am Tabor. Hunde sind gestattet, jedoch an der Leine zu halten. Bitte aufs Sackerl fürs Gackerl nicht vergessen!

Links: Augarten Porzellan | Kulturpark Augarten

Fotos: Jürgen Baumelt

Texte: Jürgen Baumelt | Wikipedia

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